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Mittelthurgaubahn - Kein Grounding im Thurgau

Mittelthurgaubahn - Das „Vorzeigeunternehmen“ Mittelthurgaubahn ist im Eiltempo in die Krise geraten und zu einem Fall für eine Beratung geworden. Restrukturierer Dieter Meile, Grossratsmitglied des Kantons Thurgau, sowie Ralf Hermann von Zetra International über ihre Eindrücke des Projekts.

Die Plötzlichkeit und das Ausmass der Krise führten im Verwaltungsrat der Mittelthurgaubahn (MThB) zu einer grossen Verunsicherung. Die Informationen des Geschäftsleiters liessen kein konsistentes Bild zu, und es wurde rasch klar, dass hier erheblicher Zeiteinsatz vonnöten war, um die Situation unter Kontrolle zu bringen: Man denke an die instabile Führungssituation, an die völlig umstrittenen Ansprüche für öffentliche Leistungsabgeltungen, an das Joint Venture mit den SBB (die „Thurbo AG“), and en Druck von Banken und Aktionären, an die Liquidität und an die Bilanzlage.

Angst vor der „Schmierseifenzone“ Entscheidend war, sicherzustellen, dass die MThB durch den schlagartigen Vertrauensverlust bei Finanzgebern, öffentlicher Hand und Mitarbeitern nicht in die „Schmierenseifenzone“ geriet. Daher musste sofort Transparenz geschaffen werden. Die in Tag-und-Nacht-Arbeit ermittelten Fakten waren alles andere als erfreulich: Ein Liquiditätsbedarf von 40 Mio. Fr., das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres betrug -30 Mio. Fr.; dazu die Überschuldung.

So unerfreulich diese Fakten waren, so sehr schufen sie wieder Vertrauen: Besser, ich kenne die schlechte Nachricht, als dass ich sie befürchten muss. Mit der konzisen, in unglaublich kurzen Zeit erstellten Ausgangslage erreichten wir sehr schnell wieder die volle Unterstützung seitens öffentlicher Hand und Banken.

Hierbei war - wie in allen unseren Turnaround-Fällen- wichtig, dass die Gesamtführung bei einer vertrauensschaffenden, professionellen Person lag. Mit Dieter Meile an der Spitze änderte der Umgangston sofort. Die Basis für Hilfe von allen Seiten und für Opferbereitschaft war gelegt.

Inhaltlich wurde uns gleichwohl nichts geschenkt: Ein Grounding der MThB und eine Liquidation via Konkurs war ein absolut realistisches Szenario. Hierbei hätte uns allen ein spannender Ablauf bevorgestanden: Für eine Privatbahn als „halb-öffentliches“ Unternehmen hat das Recht zwar eine Konkursliquidation via Bundesgericht vorgesehen, aber der letzte Präzedenzfall stammt aus dem Jahr 1928.

Durch den Joint-Venture-Vertrag mit den SBB (Gemeinschaftsunternehmen Thurbo) waren unsere Handlungsoptionen dezimiert worden. Wir mussten somit Verhandlungen mit den SBB führen, die sowohl den Thurbo-Vertrag bestrafen wie auch - neu - die Lokoop, unseren Cargo-Bereich, welcher Dank Innovationen ein tolles Ergebnis und wachsende Marktanteile vorwies.

PERMANENTER HOCHSEILAKT
Zusätzlich war über die gesamte Infrastruktur zu verhandeln - kein triviales Thema für das Team von Internen und Externen (Zetra International und Thalmann Treuhand). Die Verhandlungen waren ein permanenter Hochseilakt zwischen SBB (die wenig bezahlen wollte) Banken (die nichts verlieren wollten) öffentlicher Hand (die als Aktionäre, Auftraggeber und Finanzierer alle Hüte aufhaben). Als Glück im Unglück erwies sich, dass der strategisch katastrophale Thurbo-Vertrag immerhin noch genügend Spielraum liess.

Entscheidend war, dass unser Taschenrechner parallel immer mitlief: Aufgrund der finanziellen Notstände waren unsere Leitplanken immer klar. Das Resultat spricht für sich. Die MThB hatte übrigens mehrere Geleise: Auf einem Nebengleis betrieb sie noch den Orient-Express - ein Kapitel für sich.

Fazit: Innert sechs Monaten war die Situation nicht nur unter Kontrolle, sondern bereits zu 95% vollzogen. Entscheidungen, die sonst Monate dauern, mussten in Stunden gefällt werden. Die Rekordzeit war aber nur einzuhalten, weil sich das ganze Restrukturierungsteam mit Haut und Haaren dem Erfolg verschrieben hatte. Das Resultat: Kein Gläubiger hat Geld verloren, die Gesellschaft war immer zahlungsfähig, 250 Leute haben ihren Arbeitsplatz behalten und - die Züge verkehrten ohne Grounding.

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